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Im "Café Roxel" wurden von 1921 bis Anfang 1923 regelmäßig wechselnde artistische Programme geboten. Das Programmcover gestaltete der bekannte Münsteraner Maler und Grafiker Bernhard Bröker. |
Nachdem hier kürzlich Münsters recht interessante frühe Circusgeschichte beleuchtet wurde, wird nun das Varieté in den Blick genommen. Jahrmarkt-Theater wie die Varietés von Melich oder Wallenda, die auf dem Send gastierten, bleiben dabei außen vor.
Artisten(ensembles),
die es sich leisten konnten, gastierten seit Ende des 18.
Jahrhunderts in bestehenden Theatern. Weitaus preiswertere Auftrittsmöglichkeiten boten jedoch auch in Münster
Veranstaltungssäle von Gasthäusern. Die Künstler mieteten in der
Regel die bewirtschafteten Säle; Wirte engagierten aber auch selbst
Artisten und Musiker, um die Gäste zu unterhalten.
Um
die vorletzte Jahrhundertwende existierte in Münster zudem die
"Circus- und Varieté-Festhalle". Wie der Name besagt, konnte der
Zuschauerraum für Circusvorstellungen und Bühnenprogramme durch entsprechende Umgestaltungsmaßnahmen gleichermaßen genutzt
werden.
Der
Bau ging aus einem "Sommertheater" hervor, in dem auch
bereits "Specialitätenvorstellungen" stattfanden, für die
sich Ende des 19. Jahrhunderts mehr und mehr der Begriff "Varieté"
einbürgerte.
Nach
dem ersten Weltkrieg zeigte für kurze Zeit das „Metropol-Theater“
in der Ludgeristraße stark besetzte Varieté-Programme, darüber
hinaus gab es in der westfälischen Metropole kein großes reines
Unterhaltungstheater mehr. Varieté-Ensembles gastierten weiterhin in
(Gasthaus-)Sälen wie dem "Lortzing-Saal“ oder im "Gertrudenhof", bisweilen auch im
städtischen („Lortzing“-)Theater.
Eine
provisorische Alternative bot der beachtliche Festsaal im 1911/12
erbauten neuen Schützenhof an der Hammer Straße, der vor allem in
Kriegszeiten für Varieté-Vorstellungen genutzt wurde. Im letzten
Jahr des ersten Weltkriegs betrieb der in Münster ansässige
Circusdirektor Pierre Althoff hier sein „Apollo-Theater“, und in
den frühen 1940er Jahren organisierte die NS-Organisation „Kraft
durch Freude“ „Groß-Varieté“-Veranstaltungen im Schützenhof.
In
der 1926 eröffneten und im Krieg zerstörten alten „Halle
Münsterland“ wurden nur selten Varieté-Vorstellungen gezeigt, und
obwohl im Nachfolger weit mehr Unterhaltungs-Veranstaltungen
stattfanden und -finden, blieben Varieté-Programme die Ausnahme.
Weit
häufiger traten Varieté-Künstler in Kinos wie vor allem der
"Schauburg" auf, die vor der Leinwand über große Bühnen
verfügten. Die Schauburg, die zudem einen Orchestergraben für zwei
Dutzend Musiker hatte, firmierte zwischenzeitlich sogar als "Film-
und Varieté-Theater", unterhielt ein eigenes Orchester und
zeigte in den 1930er Jahren gemischte Programme mit einem Bühnen-
und einem Filmteil. Solche Programme waren bis in die 1950er Jahre in
Deutschland recht verbreitet und knüpften an die Tradition einer
anfänglich engen Verbindung von Varieté und Kino an.
Bewirtschaftete
Vergnügungs-Kabaretts, die neben Musikern, Humoristen und
Tänzerinnen bisweilen auch Artistinnen und Artisten präsentierten,
bestanden in den Jahren um den ersten Weltkrieg am alten Fischmarkt
(„Dortmunder Kind'l“) sowie Anfang der 1920er Jahre im Hotel
„Westfälischer Hof" am Servatiiplatz („Kleinkunstbühne Roxel“).
Darüber
hinaus wurden in der Zwischenkriegszeit über einige Jahre hinweg auf
den Kleinkunstbühnen im „Weinhaus Kakadu“ in der Rothenburg
(„Steiner's Künstlerspiele“) sowie im „Stadthotel Freudiger“
an der Ludgeristraße im kleinen Rahmen regelmäßig
Varieté-Programme geboten.
Im
Januar 1946 eröffnete ein „Kabarett“ im Hotel „Kronenburg“
an der Hammer Straße, in dem anfangs Varieté-Programme gezeigt
wurden. Mit der Zeit entwickelte sich das Etablissement jedoch zu
einem Nachtlokal von zweifelhaftem Ruf.
Im
Jahr 2000 wurde das "Roland-Filmtheater" in ein Varieté umgewandelt, das
kurze Zeit nach seiner Eröffnung den Namen "Roland-Frosch-Varieté"
erhielt. Das Unternehmen mit seinen höchst unterhaltsamen Programmen
bestand allerdings nur wenige Jahre. Seit
einem abermaligen Umbau im Jahr 2005 gehört das Varieté-Theater zur
GOP-Gruppe.
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Oliver Hartmann (Grafik), Gerrit Lemkau (Design) |